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Rudolf Steiner – Meister der weißen Loge

 

Das gleichnamige Buch der Judith von Halle fordert in eminenter Weise unser esoterisches Unterscheidungsvermögen heraus – daher ist es gar kein Wunder, wenn dieser Tage eine Buchrezension von Klaus J. Bracker in DIE DREI (8-9/2011) erschien, welche dieses Unterscheidungsvermögen in kaum einer, der von Judith von Halle angeschnittenen Fragen aufzubringen vermag.

Der frühere Redakteur von NOVALIS, der einzigen, mittlerweile eingestellten anthroposophischen Zeitschrift, die solche Debatten offen zu führen wusste, zeichnet sich allenfalls dadurch aus, dass er sich mit Judith von Halle immerhin einig weiß, dass es sich bei Rudolf Steiner um einen „großen Eingeweihten“ handelt. Schon frühere von ihm in der Zeitschrift NOVALIS geführte Debatten, um Rudolf Steiners Stellung unter den Eingeweihten zeichneten sich allerdings durch eine gewisse esoterische Ahnungslosigkeit über die tatsächlichen geisteswissenschaftlichen Verhältnisse angesichts der Meisterfrage aus.

Klaus J. Bracker mag nicht einsehen, dass das Urteilsvermögen anderer bedeutenderer Esoteriker, etwa von Judith von Halle, aber auch von Hermann Keimeyer und Willi Seiß das eigene Urteilsvermögen deutlich überschreiten, wodurch die Meister-Frage aber im Gegensatz zu seinen eigenen Bemühungen tatsächlich lösbar erscheint.

Es sei allerdings angefügt, dass es sich für den unbedarften Leser gewiss nicht leicht erschließen lässt, worum es sich in der Meister-Frage tatsächlich handelt. Hermann Keimeyer kommt zum Ergebnis, dass Rudolf Steiner der Meister Jesus sei. Judith von Halle dagegen meint nachweisen zu können, dass Rudolf Steiner der Meister Serapis gewesen sei.

Auf den ersten Blick ein krasser Widerspruch, der sich aber anhand der Ausführungen von Judith von Halle in ihrem genannten Werk viel feinsinniger und weniger grobschlächtig ausnimmt, als auf den ersten Blick zu befürchten ist.

Der Meister Jesus ist der Mysterienname Rudolf Steiners aus seiner Verkörperung als Zarathustra-Jesus, also aus seiner Vergangenheit, wie Hermann Keimeyer erforscht hat.

Judith von Halle nimmt dagegen an, dass der Meister Serapis mit Rudolf Steiner erstmalig in der Menschheit inkarniert war – ein Widerspruch ist dies nur auf den ersten Blick.

Denn wenn Rudolf Steiner, der gewiss eine alte Seele darstellt, in seinem vergangenen Erdenleben nun erstmalig als eine neue Meisterindividualität hervortrat, so muss Rudolf Steiner zuvor bereits die Meisterstufe erreicht haben – und er tat dies ja bereits als Meister Jesus.

Der Widerspruch zwischen Judith von Halle’s und Hermann Keimeyers Angaben ist mithin gar keiner, sondern nur eine Frage der Perspektive und zwar Rudolf Steiners Individualität entweder aus der Vergangenheit oder aus der Zukunft betrachtend.

 

Literatur:

Judith von Halle: Rudolf Steiner – Meister der weissen Loge. Zur okkulten Biographie, Vlg. für Anthroposophie, Dornach 2011

Hermann Keimeyer: Wie findet man die Meister in höheren Welten? DCS, Überlingen 2004

Klaus J. Bracker: Die Frage nach der Meisterschaft. In: DIE DREI 8-9/2011, S. 94 – 96

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Michael Heinen-Anders
- Diplom-Ökomom -
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